Im Notfall: Sofort handeln, nicht abwarten
Die neuesten Zahlen des Statistischen Bundesamtes geben keine Entwarnung: Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind nach wie vor Todesursache Nummer eins in Deutschland. Den größten Anteil daran hat der Herzinfarkt. Je schneller die Hilfe einsetzt, umso größer sind die Heilungschancen.
Im Überblick
Die Experten schlagen Alarm: Trotz zahlreicher Aufklärungsprogramme dauert es immer länger, bis ein Herzinfarktpatient den Notarzt ruft. Im Durchschnitt vergehen heute nach Auskunft der Deutschen Herzstiftung 3 Stunden und 45 Minuten vom Beginn der Symptome bis zum Eintreffen im Krankenhaus. 1996 sei es noch rund eine Stunde weniger gewesen, sagte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Herzstiftung Prof. Hans-Jürgen Becker.
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Notfall-Verhalten in Theorie und Praxis
Die Symptome eines Herzinfarkts, wie schwere anhaltende Schmerzen im Brustkorb und starkes Engegefühl, kennen laut einer Emnid-Umfrage von Ende Oktober 2005 immerhin rund 75 % der Deutschen. 90 Prozent der 2.000 Befragten wollen dann auch sofort einen Arzt rufen. Tatsächlich tun dies nach Angaben der Deutschen Herzstiftung aber nur 27 Prozent, meist aus Angst, übereilt zu handeln. Im Idealfall sollte jedoch jeder neu auftretende Brustschmerz, der nicht innerhalb von fünf Minuten verschwindet, als Verdacht auf einen Herzinfarkt angesehen werden. Jeder Patient, der einen Herzinfarkt erleidet und innerhalb einer Stunde medizinisch behandelt wird, hat die größten Überlebenschancen und nur ein geringes Risiko, Folgeschäden zu erleiden.
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Der richtige Herzinfarkt-Notruf
Bei Beschwerden, die auf einen Herzinfarkt hinweisen, sollte über die Nummer
112 sofort der Rettungsdienst gerufen werden. Haben Sie keine Angst davor, womöglich einen Fehlalarm auszulösen. Eine Notfall-Situation erzeugt immer Stress und die Angst, etwas falsch zu machen. Bei einem angenommenen Herzinfarkt sollte man bei einem Notruf Folgendes beachten:
- Keine Scheu vor einem Fehlalarm! Wenn man in gutem Glauben gehandelt hat, wird man nicht zur Rechenschaft gezogen.
- Nicht warten! Viele zögern vor allem in der Nacht und am Wochenende, den Rettungsdienst zu rufen.
- Die 112 oder die örtliche Notrufnummer wählen. Den Verdacht auf Herzinfarkt äußern. Es wird sofort ein Rettungswagen geschickt. Achtung: Der „ärztliche Notdienst“ ist KEIN Rettungsdienst. Er ist lediglich die Vertretung für den Hausarzt. Deshalb NUR die oben erwähnten Notrufnummern wählen.
- Nicht vorzeitig auflegen! Die Rettungsleitstelle benötigt vor allem die Adresse. Außerdem kann sie noch wichtige Tipps zur Ersten Hilfe bis zum Eintreffen des Rettungswagens vermitteln.
- Kein eigener Transport in die Klinik! Eine solche Fahrt – sei es durch Freunde, Bekannte, Verwandte oder durch den Betroffenen selbst – kann lebensgefährlich sein. Lebensrettende Maßnahmen werden dadurch nur unnötig hinausgezögert. Ein Rettungswagen ist schneller vor Ort.
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Erste Hilfe bei einem Herzinfarkt
Beim frischen Herzinfarkt gilt:
Jede Minute zählt! Wenn ein
Angina pectoris Anfall länger als fünf Minuten anhält und durch
Nitrate wie Spray oder Kapseln nicht besser wird, muss der Notarzt gerufen werden. Die größte Gefahr besteht in den ersten Stunden. In dieser Zeit kann aber auch am besten geholfen werden.
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So können Sie bei einem Herzinfarkt Erste Hilfe leisten:
- Alarmieren Sie sofort den Rettungsdienst.
- Beobachten Sie den Betroffenen genau, lassen Sie ihn nicht allein.
Überprüfen Sie
Bewusstsein, Atmung und Lebenszeichen. Setzen Atmung und Herzschlag aus, beginnen Sie sofort mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung.
So geht die Herzdruckmassage (bei Erwachsenen):
- Legen Sie den Betroffenen auf den Rücken. Machen Sie seinen Oberkörper möglichst frei.
- Knien Sie sich neben seinen Brustkorb.
- Legen Sie den Ballen Ihrer Hand auf die Mitte seines Brustkorbs.
- Legen Sie den Ballen der zweiten Hand auf den Rücken Ihrer ersten Hand.
- Stützen Sie sich so weit auf, dass Ihre Arme durchgestreckt sind (die Hände bleiben auf dem Brustkorb des Betroffenen).
- Drücken Sie den Brustkorb des Betroffenen mit durchgestreckten Armen senkrecht von oben vier bis fünf Zentimeter tief ein. Bewegen Sie dabei Ihren gesamten Oberkörper kräftig mit.
- Lassen Sie los, drücken Sie rasch wieder ein – loslassen – eindrücken … Druck- und Entlastungsphase sollen gleich lang sein, und Sie sollten eine Frequenz von 100 Einheiten pro Minute schaffen.
- Zählen Sie beim Drücken laut mit. Wenn Sie bei 30 sind, geben Sie zwei Atemspenden.
- Fahren Sie 30 Mal mit der Herzdruckmassage fort.
- Beatmen Sie wieder.
- Machen Sie im Wechsel so lange weiter, bis Rettungskräfte eintreffen.
Um die richtige Frequenz zu finden – 100 Einheiten in einer Minute –, denken Sie einfach an Ihren eigenen Herzschlag und imitieren Sie diesen.
So geht die Atemspende:
- Strecken Sie den Kopf des Betroffenen nach hinten und heben Sie sein Kinn an.
- Halten Sie dem Betroffenen mit einer Hand die Nase zu.
- Öffnen Sie mit der anderen Hand den Mund des Betroffenen.
- Atmen Sie tief ein. Umschließen Sie dann mit Ihrem Mund den Mund des Patienten.
- Blasen Sie jetzt zirka eine Sekunde lang Luft in den Mund des Bewusstlosen. Wenn Sie es richtig machen, hebt sich der Brustkorb des Betroffenen sichtbar an.
- Drehen Sie Ihren Kopf zur Seite, atmen Sie sauerstoffreiche Luft ein (tief einatmen!).
- Beatmen Sie den Betroffenen noch einmal.
- Geben Sie dann wieder 30 Einheiten Herzdruckmassage.
- Führen Sie den Wechsel von Herzdruckmassage und Beatmung so lange durch, bis Rettungskräfte eintreffen.
Helfen Sie am besten zu zweit: der eine drückt, der andere beatmet.
- Ist der Betroffene bei Bewusstsein, lagern Sie ihn schonend, d.h. bequem mit erhöhtem Oberkörper, um das geschwächte Herz zu entlasten.
- Entfernen Sie beengende Kleidung und vermeiden Sie Unruhe, Aufregung und Anstrengung. Wenn Sie selbst ruhig und besonnen bleiben, können Sie auch den Infarktpatienten besser beruhigen.
- Fahren Sie den Betroffenen nicht mit dem eigenen Auto zur Klinik und lassen Sie ihn nicht laufen, wenn Sie einen Infarkt vermuten!
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Elektroschock hilft bei lebensgefährlicher Herzrhythmusstörung Bei Patienten mit einem frischen Herzinfarkt kann es zu lebensbedrohlichen
Herzrhythmusstörungen bis hin zum Herzstillstand kommen. Dann zählt jede Minute, weil wegen des Sauerstoffmangels schon nach wenigen Minuten Gehirnzellen absterben und der Hirntod droht. Bei
Kammerflimmern ist die gezielte Anwendung eines Elektroschocks mittels eines
Defibrillators die einzige Möglichkeit, das Herz wieder in seinen normalen Rhythmus zurückzuführen. Im Gegensatz zu den USA, wo öffentliche Einrichtungen wie Einkaufszentren und Veranstaltungsorte inzwischen flächendeckend mit Laiengeräten zur
Defibrillation ausgestattet sind, gibt es hierzulande noch kaum Geräte, die von Ersthelfern schnell erreicht und bedient werden können. In der Regel kann erst der Notarzt eine Defibrillation durchführen, aber die Zeit bis zu dessen Eintreffen muss unbedingt durch eine
Herz-Lungen-Wiederbelebung überbrückt werden, weil sonst die Überlebenschancen sehr schlecht sind.
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Automatischer Externer Defibrillator Für Risikopatienten mit einer koronaren Herzkrankheit, die vielleicht schon einen Herzinfarkt hatten, lohnt sich eventuell die Anschaffung eines Automatischen Externen
Defibrillators, eines
AED-Gerätes. Im Notfall kann damit jeder Anwesende frühzeitig und sicher den rettenden Elektroschock setzen. Die Angst, etwas falsch zu machen, ist dabei unnötig: Das Gerät entscheidet bei richtiger Handhabung selbst, ob es einen Stromstoß aussenden muss oder nicht.
Tipp: Sind Sie Angehöriger eines Herzpatienten? Dann empfiehlt sich auf jeden Fall der Besuch eines Erste-Hilfe-Kurses. Dort lernen Sie, wie eine Wiederbelebung mit Herzdruckmassage und Atemspende richtig durchgeführt wird.
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Die Behandlung durch den Notarzt beim Herzinfarkt
Der Notarzt verschafft sich zuerst einen Eindruck vom Patienten: Ist der Betroffene ansprechbar, fragt der Arzt nach Schmerzen und deren Lokalisation, auch nach Medikamenteneinnahme und Vorerkrankungen. Bei einem bewusstlosen Patienten zeigt ein
EKG an, ob und wie das Herz arbeitet und ob eine Infarktschädigung vorliegt. Bei
Kammerflimmern setzt der Notarzt den
Defibrillator ein. Auf dem Weg ins Krankenhaus werden dann erste Medikamente gegeben: gegen den Schmerz, die Angst, zur Blutverdünnung und zur Normalisierung von Blutdruck und Herzaktion. Manchmal kann im Notarztwagen auch schon eine
Lysetherapie, eine medikamentöse Auflösung von Blutgerinnseln, begonnen werden.
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Rasche Hilfe nur im Notarztwagen möglich Grundsätzlich wird jeder Patient mit Verdacht auf einen Herzinfarkt ins Krankenhaus gebracht, weil nur dort zweifelsfrei festgestellt werden kann, ob es sich tatsächlich um einen Infarkt handelt. Beachten Sie bitte: Besteht der Verdacht auf einen Herzinfarkt, muss der Notarzt zum Patienten kommen und ihn im Notarztwagen ins Krankhaus bringen! Nur im Notarztwagen ist schnelle Hilfe möglich, wenn der Zustand sich plötzlich verschlechtert! Fahren Sie den Kranken nicht mit dem eigenen Auto in die Klinik und lassen Sie ihn auf keinen Fall laufen, auch dann nicht, wenn die Beschwerden zunächst nicht so dramatisch erscheinen.
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