Herzinfarkt-Diagnostik – Von EKG bis Herzkatheter
Herzinfarkte gehören zu den häufigsten Notfällen im Krankenhaus. Für Ärzte und Pflegepersonal sind eine schnelle und präzise Diagnostik und Therapie des Infarkts deshalb Routine. Die Verbesserung des Behandlungsablaufs und moderne Behandlungstechniken haben darüber hinaus dazu beigetragen, dass wesentlich mehr Menschen als noch vor 20 Jahren einen Herzinfarkt überleben.Im Überblick
Erste Diagnostikmaßnahmen: Enzymbestimmung und EKG
Enzymbestimmungen weisen den WegWird ein Patient mit Verdacht auf einen Herzinfarkt in die Klinik eingeliefert, wird mittels
EKG und Enzymdiagnostik festgestellt, ob, wo und wie stark der Herzmuskel geschädigt ist. Enzyme sind Eiweiße, die in Körperzellen Stoffwechselvorgänge steuern. Gehen Herzmuskelzellen durch Sauerstoffmangel massenhaft zugrunde, setzen sie spezielle Enzyme frei, die dann im Blut nachgewiesen werden können. Die Enzyme werden wiederholt bestimmt, weil sich aus dem Verlauf der Blutkonzentrationskurve Rückschlüsse auf den Zeitpunkt des Infarktbeginns, die Infarktgröße und später auch den Therapieerfolg ziehen lassen. Meist werden die herzmuskelspezifische
Kreatinkinase (CK-MB) und die Enzymvarianten des
Troponin bestimmt.
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EKG und Echokardiografie Allerdings steigen die Enzymkonzentrationen erst drei bis sechs Stunden nach Untergang der Herzmuskelzellen an. Während dieser Zeit liefert das EKG den entscheidenden Nachweis, ob es sich tatsächlich um einen Herzinfarkt handelt. Fehlen die typischen EKG-Veränderungen, bleibt die Unsicherheit so lange bestehen, bis der Enzymtest möglich ist. Hilfreich kann in der Zwischenzeit eine Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiografie) sein, um einen möglichen Herzinfarkt zu diagnostizieren. Wie bei anderen Ultraschalluntersuchungen auch, ist diese Methode in der Regel für den Patienten nicht mit Schmerzen oder anderen Unannehmlichkeiten verbunden. Mit einer speziellen
Doppler-Technik kann der Blutfluss dargestellt werden.
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Andere Erkrankungen ausschließen Manchmal ist es schwierig, einen Herzinfarkt sicher von Erkrankungen der Lunge wie
Pneumothorax,
Lungenembolie oder
Lungenödem, einem Einriss der Hauptschlagader oder einer Gallenkolik zu unterscheiden. Doch sobald das erste sichere diagnostische Zeichen für einen Herzinfarkt gefunden ist, beginnen die Ärzte mit der gezielten Therapie. Bis dahin wird der Patient sorgfältig überwacht, bekommt Sauerstoff und über einen
Venenkatheter, die erforderlichen Medikamente direkt in den Blutkreislauf gespritzt. Außerdem werden die Herzaktion und der Blutdruck kontinuierlich überwacht.
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Herzkatheter: Kleiner Schlauch direkt ins Herz
Erhärtet sich der Verdacht auf einen Infarkt, ist die Herzkatheter-Untersuchung das wichtigste Diagnostikinstrument.
Bei der
Herzkatheter-Untersuchung wird ein feiner Kunststoffschlauch über eine Arterie oder Vene in der Leistenbeuge oder am Arm bis in das Herz vorgeschoben. Die
Venen transportieren das sauerstoffarme, die
Arterien (Schlagadern) das sauerstoffreiche Blut. Man unterscheidet hierbei den Rechts- und Linksherzkatheter:
Beim
Rechtsherzkatheter erfolgt der Zugang zum Herzen über eine Vene, der Schlauch wird in die rechte Hauptkammer des Herzens geschoben. Anschließend kann man unter röntgenologischer Durchleuchtung und Kontrastmittelgabe die rechte Herzseite darstellen. Auch die Druckverhältnisse können gemessen werden.
Beim
Linksherzkatheter wird der Schlauch über eine Arterie in die linke Hauptkammer des Herzens geschoben. Empfindliche Geräte an der Spitze des Katheterschlauchs messen unter anderem den Druck im Herzen, die Sauerstoffsättigung des Blutes oder können Störungen der Herzklappenbewegungen erkennen.
So lässt sich beispielsweise über den Schlauch des Katheters ein Kontrastmittel ins Herz spritzen. Auf einem Röntgenbildschirm werden dann die Herzkranzgefäße mit ihren Verzweigungen und Engstellen (Stenosen) sichtbar. Diese spezielle, Anwendung eines Herzkatheters wird als
Koronarangiografie bezeichnet
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Frauen brauchen oft andere Untersuchungen Es gibt allerdings Ausnahmen: Sind nicht die dicken Arterienäste der Herzkranzgefäße, sondern deren kleine Verästelungen verengt, liefert die
Koronarangiografie oft ein unauffälliges Bild – und widerspricht damit den Beschwerden. Gerade bei Frauen finden sich Engpässe oft in den Endverzweigungen der Gefäße. Dadurch entstandene Schäden am Herzmuskel können meistens nur mit einer Herzmuskeldurchblutungsmessung (
Myokardszintigrafie) oder mit einem
MRT sichtbar gemacht werden.
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Mögliche Komplikationen Bei einer Herzkatheter-Untersuchung können zwar Komplikationen auftreten – so kann der eingeführte Schlauch beispielsweise Herzrhythmusstörungen auslösen –, in der Regel sind diese aber selten und gut in den Griff zu bekommen. Auch Kontrastmittelallergien treten gelegentlich auf, die aber auch gut beherrscht werden können. An den Einstichstellen kommt es manchmal zu Einblutungen ins Gewebe, die aber durch einen guten Druckverband verhindert werden können.
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Diagnostik und Therapie in einem Herzkatheter sind nicht nur für die Diagnostik von Herz-Kreislauf-Erkrankungen von großer Bedeutung. Über den Schlauch kann der Arzt auch verengte Gefäße aufweiten (Ballondilatation),
Stents einsetzen und so die Myokarddurchblutung verbessern. Per Herzkatheter lassen sich auch Löcher in der Herzscheidewand verschließen, Herzschrittmacher einpflanzen und neuerdings sogar defekte Herzklappen ersetzen.
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Myokardszintigrafie: radioaktive Substanzen zur Herz-Untersuchung
Bei der Myokardszintigrafie spritzt der Arzt dem Patienten radioaktive Substanzen in die Armvene. Diese sogenannten Tracer ("Spurensucher") reichern sich im Herzmuskel an. Ein spezielles Gerät (Scanner oder Gammakamera) macht sie sichtbar. Als bildgebendes Verfahren eignet sich die Myokardszintigrafie besonders zur Diagnostik von Durchblutungsstörungen des Herzmuskels. Der Vorteil dieser Methode: Herzmuskel-Regionen, die beispielsweise nach einem Herzinfarkt schlechter durchblutet werden, lassen sich genau eingrenzen. Das ist wichtig, um das Ausmaß eines Herzinfarktes abschätzen zu können.
Auch lassen sich im Szintigramm Aufnahmen unter Belastung des Herzmuskels anfertigen. So sieht der Arzt, in welchem Maße sich während der Anstrengung schlecht durchblutetes Herzmuskelgewebe in Ruhe wieder erholen kann.
Radioaktive Substanzen, wie sie bei der Myokardszintigrafie zum Einsatz kommen, schaden den Patienten nicht. Die Strahlenbelastung durch die Tracer ist außerordentlich gering.
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